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Baukasten oder Agentur? Was sich für Handwerker wirklich rechnet

16. Juli 2026 · ANET Studios


Kurzfassung: Ein Baukasten kostet 15 Euro im Monat, eine Agentur-Website mehrere tausend Euro — und trotzdem ist der Baukasten für viele Betriebe der teurere Weg. Wir rechnen das hier offen durch, mit echten Zahlen aus dem Märkischen Kreis. Und ja: Wir bauen selbst Websites. Lesen Sie trotzdem weiter — gerade deshalb rechnen wir ehrlich.

Erst einmal die Lage vor der eigenen Haustür

Wir haben im Juli 2026 die Gelbe-Seiten-Einträge von fünf Gewerken in acht Städten des Märkischen Kreises ausgewertet — Dachdecker, Elektriker, Maler, Tischler und SHK-Betriebe von Iserlohn bis Meinerzhagen. 1.097 Einträge insgesamt.

Das Ergebnis: 38 Prozent dieser Betriebe haben gar keine Website. Keine veraltete. Gar keine.

Von den Betrieben, die eine haben, haben wir eine Zufallsstichprobe von 120 Websites durch Googles offiziellen PageSpeed-Test geschickt (Stand Juli 2026, Mobilgeräte-Messung):

38%

der Handwerksbetriebe im Märkischen Kreis haben gar keine eigene Website

78%

der vorhandenen Websites laden ihr Hauptelement auf dem Handy langsamer als die von Google empfohlenen 2,5 Sekunden

5,9s

mittlere mobile Ladezeit — mehr als doppelt so langsam wie empfohlen

23%

laufen noch ohne HTTPS-Verschlüsselung — der Browser warnt mit „Nicht sicher"

Die Hälfte erreicht keinen Performance-Wert von 70 von 100 Punkten; der Median liegt bei 69.

Warum das zählt: Über die Hälfte der Suchen nach Handwerkern passiert auf dem Handy, oft in genau dem Moment, in dem das Dach tropft. Wer da nach vier Sekunden noch einen weißen Bildschirm zeigt, hat den Auftrag an den nächsten Treffer verloren.

Das ist der Markt, in dem Ihre Website antritt. Die Messlatte liegt niedrig. Das ist eine schlechte Nachricht für die Branche — und eine ziemlich gute für Sie.

Was der Baukasten wirklich kostet

Wix, Jimdo und Co. verlangen je nach Tarif zwischen 12 und 36 Euro im Monat. Das ist der Teil, der auf der Preisliste steht.

Der Teil, der nicht draufsteht: Sie bauen die Seite selbst. Rechnen Sie ehrlich — Texte schreiben, Fotos aussuchen, Menü zusammenklicken, auf dem Handy testen, wieder umbauen. Bei den meisten werden daraus 20 bis 40 Arbeitsstunden. Als Meister liegt Ihr Stundensatz auf der Baustelle irgendwo zwischen 60 und 90 Euro. Die Website, die Sie am Küchentisch selbst bauen, kostet also real 1.500 bis 3.500 Euro — bezahlt in Abenden und Wochenenden. Sie taucht nur auf keiner Rechnung auf.

Und danach beginnt das eigentliche Problem: Die Seite steht, aber sie wird nicht gefunden. Baukästen liefern die Technik, nicht die Sichtbarkeit. Texte, die bei Google für „Dachsanierung Iserlohn" ranken, schreibt der Baukasten nicht für Sie.

Es gibt Fälle, in denen der Baukasten trotzdem die richtige Wahl ist. Dazu weiter unten — das Kapitel fehlt in den meisten Agentur-Ratgebern aus naheliegenden Gründen.

Was eine Agentur wirklich kostet

Wir haben uns die veröffentlichten Preise von Webagenturen in NRW angesehen, die gezielt Handwerker und kleine Betriebe bedienen. Die Spanne der Einstiegspreise: 800 bis 2.500 Euro, aufwendigere Handwerker-Websites liegen bei 2.500 bis 4.000 Euro. Dazu kommen laufende Kosten für Hosting und Pflege, je nach Anbieter 20 bis 180 Euro im Monat.

Unsere eigenen Preise stehen offen auf der Preisseite — wir spielen hier nicht Versteck. Der Punkt dieses Ratgebers ist ein anderer: Egal ob Sie bei uns oder woanders kaufen, Sie sollten wissen, wie man den Preis gegen den Nutzen rechnet.

Die Rechnung, auf die es ankommt

Beispielrechnung — die Annahmen stehen dabei, prüfen Sie sie gegen Ihre Zahlen:

Ein Dachdeckerbetrieb im Märkischen Kreis. Durchschnittlicher Auftragswert einer Dachreparatur: rund 2.000 Euro, bei Sanierungen deutlich mehr. Angenommene Marge: 15 Prozent, also 300 Euro pro Auftrag.

  • Website von der Agentur: einmalig 4.000 Euro, plus 100 Euro monatliche Betreuung → im ersten Jahr 5.200 Euro
  • Damit sich das rechnet, braucht die Seite: 5.200 ÷ 300 = rund 17 zusätzliche Aufträge im ersten Jahr. Also ein bis zwei im Monat.
  • Ab dem zweiten Jahr sinkt die Schwelle auf 4 Aufträge im Jahr — einen pro Quartal.

Ein bis zwei zusätzliche Aufträge im Monat — in einer Region, in der vier von zehn Wettbewerbern gar keine Website haben und drei Viertel der übrigen zu langsam laden: Das ist keine Wette, das ist ein niedriges Ziel. Umgekehrt gilt aber auch: Eine Website, die nicht gefunden wird, schafft nicht mal die vier Aufträge. Deshalb ist „gebaut" nicht das Ziel. Gefunden ist das Ziel.

Rechnen Sie die gleiche Logik für Ihren Betrieb: Auftragswert mal Marge, geteilt durch die Jahreskosten. Wenn die nötige Auftragszahl unrealistisch klingt, lassen Sie es. Wenn sie lächerlich niedrig klingt, wissen Sie, was zu tun ist.

Wann der Baukasten reicht

Ehrliche Antwort: öfter, als Agenturen zugeben.

  • Ihr Auftragsbuch ist auf Monate voll und Sie wollen gar nicht wachsen — dann brauchen Sie nur eine digitale Visitenkarte mit Öffnungszeiten und Telefonnummer. Jimdo, fertig.
  • Sie leben zu 100 Prozent von Stammkunden und Empfehlungen und das soll so bleiben.
  • Sie testen eine Geschäftsidee und wissen noch nicht, ob es den Betrieb in einem Jahr gibt.

In diesen Fällen sind 15 Euro im Monat der richtige Preis, und jede Agentur, die Ihnen trotzdem eine 4.000-Euro-Website verkauft, verdient den schlechten Ruf der Branche.

Wann nicht

  • Sie wollen wachsen, neue Leute einstellen oder ein zweites Standbein aufbauen. Bewerber schauen heute zuerst auf die Website — ein Betrieb ohne ordentlichen Auftritt existiert für einen 25-jährigen Gesellen schlicht nicht.
  • Ihre Kunden sollen Sie finden, nicht nur bestätigen. Dafür braucht es Texte, Struktur und Tempo, die bei Google und zunehmend auch bei ChatGPT und Co. bestehen — genau da fallen die Baukasten-Seiten in unserer Messung reihenweise durch.
  • Der nächste Auftrag ist vierstellig wert. Dann trägt schon ein einziger zusätzlicher Kunde einen erheblichen Teil der Website-Kosten.

Methodik, zum Nachprüfen

Erhebung Juli 2026: 1.097 Brancheneinträge (Gelbe Seiten) für Dachdecker, Elektriker, Maler, Tischler und SHK in Iserlohn, Lüdenscheid, Menden, Hemer, Plettenberg, Altena, Werdohl und Meinerzhagen. Davon 675 mit Website, 422 ohne. Performance-Stichprobe: 120 zufällig ausgewählte Websites, getestet mit Google PageSpeed Insights (Mobil-Messung); 99 davon waren auswertbar, der Rest war während des Tests nicht erreichbar oder lieferte kein Ergebnis. Preisspannen: veröffentlichte Listenpreise von Agenturen mit Handwerks-Fokus in NRW, Stand Juli 2026. Die Beispielrechnung ist eine Modellrechnung — setzen Sie Ihre eigenen Zahlen ein.

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